07.08.2018
EINE GESCHÄFTSIDEE, DIE FRÜCHTE TRÄGT

Zeigten sich beim Spatenstich voller Vorfreude auf den neuen Vitasafe-Standort: Harald Angelmahr, Bauamtsleiter der Stadt Selbitz, Ralf Sprenger, Geschäftsführer der gleichnamigen Baufirma, Stefan Busch, Bürgermeister der Stadt Selbitz, Dr. Hermann Meiler, langjähriger Veterinärdirektor am Hofer Schlachthof, Tim Kroner von Vitasafe, Gerd Leucht, Geschäftsführer von Schiller Fleisch, Landrat Dr. Oliver Bär, Architekt Markus Bretschneider und Oliver Rank, Geschäftsführer der Firma Beyer Tiefbau (von links).

Foto: aks



Die Hofer Firma Vitasafe verpackt geschnittenes Obst für unterwegs. Die Nachfrage ist groß. Nun baut das Unternehmen eine neue Produktionsstätte in Selbitz.


Von Ann-Kristin Schmittgall


Hof/Selbitz - Ein Millionenprojekt wird im Frankenwald umgesetzt. Die Hofer Firma Vitasafe baut in Selbitz im Landkreis Hof eine Produktionshalle und schafft damit die Voraussetzungen, um noch mehr Variationen von Frucht-Snacks produzieren zu können. Bereits vor mehr als zehn Jahren hatte Geschäftsführerin Barbara Schiller-Leucht die Idee, frisch geschnittenes, exotisches Obst wie etwa Ananas, Orangen oder Melone in mundgerechten Portionen zum Verkauf in Bechern und Schalen anzubieten. "Wir haben unseren Schwerpunkt auf Früchte gesetzt, die in der Regel Schnippelarbeit bedeuten, wenn man sie zu Hause verarbeiten oder für unterwegs als Snack zubereiten möchte", erklärt die Geschäftsfrau. In einer schnelllebigen Zeit, in der die Menschen viel beschäftigt seien, Kind und Karriere unter einen Hut bringen müssten und mancher auch am Wochenende arbeiten müsse, hätten die wenigsten von ihnen Zeit, sich in die Küche zu stellen. Gleichzeitig sehne man sich nach gesunder Ernährung. "mit unseren Produkten wollen wir diesem Wandel in Ernährung und Lebensstil Rechnung tragen", sagt Schiller-Leucht.

'Wir wollen dem Wandel in Ernährung und Lebensstil Rechnung tragen.'
Barbara Schiller-Leucht, Geschäftsführerin von Vitasafe



Das Know-how, um Lebensmittel, deren Verarbeitung den höchsten Hygienestatus erfordert, entsprechend verpacken zu können, hat Schiller-Leucht aus ihrer Familie mitbekommen. Sie ist die Tochter von Erwin Schiller, dem verstorbenen Gründer der gleichnamigen Hofer Fleisch GmbH. Der Zerlegebetrieb produziert seit Jahren Fleisch für die Selbstbedienungstheken in Supermärkten und greift dafür auf eine spezielle Verpackungstechnik für Fleisch in Schalen zurück. "Wir haben überlegt, was wir in unseren Verpackungen noch anbieten können", erläutert Gerd Leucht, der die Geschäfte am Hofer Schlachthof heute führt. So sei er mit Ehefrau Barbara Schiller-Leucht sowie Schwager Hans-Jürgen Kummer vom Fleisch aufs Fruchtfleisch gekommen und man habe im Jahr 2007 Vitasafe gegründet.

Als "innovativsten Betrieb der Obst-Branche Deutschlands" bezeichnete Dr. Hermann Meiler, langjähriger Veterinärdirektor am Hofer Schlachthof, das Unternehmen während des Spatenstichs am Dienstag. Er betonte den hohen Qualitätsanspruch bei der Verarbeitung von Früchten. Viele Faktoren müssten berücksichtigt werden, wie etwa der perfekte Reifezustand. "Was zu Beginn in Handarbeit geschehen kann, bedarf ab einer gewissen Größe des Unternehmens einer Automatisierung. Dafür hat die Firma Vitasafe in den vergangenen Jahren Gerätschaften entwickeln lassen, die Pilotcharakter haben", sagt Meiler.

Der etwa 3,5 Millionen teure und über 2000 Quadratmeter große Neubau, der nun im Selbitzer Ortsteil Sellanger entstehen soll, offenbart das Wachstum des Unternehmens Vitasafe, das zuletzt einen Jahresumsatz von rund sechs Millionen Euro erwirtschaftete. Derzeit ist die Firma noch in den Räumen von Schiller-Fleisch eingemietet. Zwischen 13.000 und 15.000 Packungen der Frucht-Mixe werden dort täglich produziert und an mehr als 650 Kaufland-Filialen in ganz Deutschland versendet. "Durch den Umzug in die neue Halle werden wir künftig wesentlich mehr Platz haben und wollen unsere Tagesproduktion auf durchschnittlich 20.000 Schalen steigern", sagt Barbara Schiller-Leucht. Zudem wolle man weitere Handelsketten erschließen, an zukunftsorientierten Verpackungen arbeiten, die Kunststoff ersetzen und die Produktpalette erweitern. "Was das Angebot von verzehrfertigen Früchten angeht, ist der deutsche Markt nämlich noch weit hinterher", stellt die Geschäftsführerin fest. In anderen Ländern wie etwa England oder den Niederlanden sei man da schon weiter. "Dort gibt es in den Geschäften eine wesentlich größere Auswahl an gesunden Snacks für unterwegs." Schiller-Leucht freut sich darauf, einige der Ideen aus dem Ausland auch auf dem deutschen Markt umzusetzen - zum Beispiel Frucht-Mixe in Kombination mit Joghurt. "Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt. Ich sehe das als Wachstumsmarkt mit großem Potenzial."

Im März 2019 soll es mit der Produktion in Sellanger losgehen. Die Früchte dafür kommen aus Costa Rica, Spanien oder Ecuador. "Durch unsere Verpackungstechnologie bleibt der Vitmaingehalt der Ausgangsprodukte erhalten", sagt Schiller-Leucht. Alle Schalen und Obst-Abfälle fänden in insgesamt vier Biogasanlagen eine weitere Verwendung und würden für eine nachhaltige Energiegewinnung herangezogen. "Wir können die Obst-Abschnitte effektiver weiterverwerten, als das in deinem Privathaushalt möglich ist".
Am neuen Standort will die Vitasafe-Geschäftsführerin auch weiter Arbeitsplätze schaffen: "Aktuell sind wir eine Truppe von 45 Mitarbeitern." Techniker, Lageristen und Produktinshelfer werden gebraucht. Schiller-Leucht scheut sich auch nicht davor, ältere Bewerber einzustellen. "Es kommt nicht darauf an, wie alt jemand ist, sondern ob er mit Herzblut bei der Sache ist", zeigt sie sich überzeugt. Bereits als sie vor mehr als zehn Jahren ihre Firma aufbaute, habe das Unternehmen vor allem viele Frauen in deren 40ern eine Chance gegeben, die damals wegen des Einbruchs von Porzellan- und Textilindustrie auf der Straße standen: "Ich habe diese Entscheidung nicht bereut", beton Schiller-Leucht. Dass die Firma nun expandieren könne, habe sie nicht zuletzt ihren motivierten Mitarbeitern zu verdanken. denn es hat durchaus einige Jahre dedauert, bis die Früchte-Becher von den Kunden angenommen worden sind, wie sie berichtet.

Die Unternehmensführung freut sich auf die neue Halle in Selbitz. "Um möglichst schnell starten zu können und um den Trend zu verzehrfertigen Früchten nicht zu verschlafen, haben wir uns für einen externen Standort entschieden", berichtet Gerd leucht. Denn für einen Anbau in Hof wäre ein aufwendiges Genehmigungsverfahren notwendig gewesen. Auch Selbitz' Bürgermeister Stafan Busch zeigt sich erfreut über die Neuansiedlung und verwies auf die "kurzen und knackigen" Gespräche, die er mmit der Schiller-Familie geführt habe. So konnte das Projekt schnell vorangebtrieben werden.